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Forschung5. August 2026 · 2 Min.

Der größte Himmelsfilm aller Zeiten läuft: Rubin-Observatorium startet die LSST

Seit dem 30. Juni durchmustert das Vera-C.-Rubin-Observatorium in Chile den kompletten Südhimmel — alle paar Nächte, zehn Jahre lang, mit der größten Digitalkamera der Welt. Was die Legacy Survey of Space and Time verändern wird.

Dichtes Feld ferner Galaxien
Illustration — Nebravia-Rendering, kein Aufnahmematerial des Observatoriums

Auf dem Cerro Pachón in Chile hat am 30. Juni 2026 die ehrgeizigste Himmelsdurchmusterung der Astronomiegeschichte begonnen: die Legacy Survey of Space and Time (LSST) des Vera-C.-Rubin-Observatoriums. Zehn Jahre lang fotografiert das Teleskop den gesamten sichtbaren Südhimmel — nicht einmal, sondern immer wieder, alle paar Nächte aufs Neue.

Die Maschine dahinter

Herzstück ist die größte Digitalkamera der Welt: 3.200 Megapixel, ein Sensor von der Größe eines Kleinwagens-Kofferraums, gekühlt auf −100 °C. Etwa alle 40 Sekunden entsteht eine neue Aufnahme, rund 1.000 Bilder pro Nacht, etwa 10 Terabyte Daten — pro Nacht. Jeder Punkt des Südhimmels wird über die Laufzeit rund 800 Mal belichtet.

Das Ergebnis ist weniger ein Foto als ein Film: Wer 800 Aufnahmen desselben Himmelsausschnitts übereinanderlegt, sieht nicht nur extrem tief — er sieht vor allem, was sich bewegt und was sich verändert.

Sieben Millionen Alarme pro Nacht

Genau dafür ist das System gebaut. Eine Software vergleicht jede neue Aufnahme in Echtzeit mit dem Referenzbild derselben Region und meldet jede Abweichung: eine Supernova, die aufleuchtet. Ein Asteroid, der seine Position verändert. Ein Stern, der heller wird. Bis zu sieben Millionen solcher Alerts pro Nacht gehen an die weltweite Forschung — ein Datenstrom, auf den sich Teleskope rund um den Globus in Minuten aufschalten können.

Schon in der Testphase vor dem offiziellen Start hat Rubin über 11.000 neue Asteroiden gefunden — mehr, als manche Durchmusterung in Jahren schafft. Fachleute erwarten, dass die LSST die bekannte Zahl der Objekte im Sonnensystem um ein Mehrfaches erhöht, darunter erdnahe Asteroiden und interstellare Besucher wie 1I/ʻOumuamua oder 3I/ATLAS.

Die eigentliche Frage: Dunkle Energie

Hinter dem Namen des Observatoriums steckt das Programm: Vera Rubin lieferte in den 1970ern die entscheidenden Belege für Dunkle Materie. Ihre Nachfolgerin, die LSST, soll nun deren zweites Rätsel angehen — die Dunkle Energie, die die Ausdehnung des Universums beschleunigt. Milliarden vermessener Galaxien, ihre Verteilung und ihre Verzerrung durch Gravitationslinsen werden zeigen, ob die Dunkle Energie konstant ist oder sich mit der Zeit verändert. Beides hätte fundamentale Folgen für die Kosmologie.

Warum uns das hier betrifft

Für die Beobachtung von Deutschland aus liegt der Rubin-Himmel großteils unter dem Horizont. Aber die Entdeckungen landen bei uns: Jeder neue helle Komet, jeder erdnahe Asteroid, jede Supernova, die in den kommenden Jahren durch die Nachrichten geht, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit zuerst in einem Rubin-Alert aufgetaucht sein. Der Himmelskalender der 2030er wird zu einem guten Teil in dieser Nacht-für-Nacht-Durchmusterung geschrieben.